EINFÜHRUNG IN DIE FILMMUSIK
EINLEITUNG

Dies gleich vorweg: Nicht jeder Komponist ist für jeden Film die ideale Besetzung – das gilt grundsätzlich in der Filmbranche. Denn jeder Komponist verfolgt einen anderen Stil, hat eine andere Vorgehensweise sowie eine andere Vision, wie er die Musik komponieren will und wie diese im Film eingesetzt werden soll. Wir empfehlen, dass sich Regisseure und Produzenten die bestehenden Soundtracks des jeweiligen Komponisten aufmerksam anhören und sich gut überlegen, ob ihnen dieser Stil zusagt.

Filmmusik ist sehr komplex. Jeder Film kann unterschiedlich interpretiert werden und es gibt kein „richtig“ oder „falsch“. Aber es gibt grundlegende „Regeln“, die helfen, den Film verständlicher für das Publikum zu produzieren. Etwa mit der Gestaltung des Tempos und den Pausen.

Filmmusik wird oft auch Missverstanden. Der Komponist komponiert nicht die Musik fürs Bild, sondern der Komponist kreiert eine eigenständige Story, die parallel zum Film läuft. Er bestimmt daher massgeblich mit, was der Zuschauer fühlen soll. Denn der Komponist arbeitet aus der Publikumsperspektive und nicht aus der Filmperspektive. Wenn diese zweite Story-Ebene gut komponiert ist, passt sie auch wieder auf das Bild.

Filmmusik wird in jenem Moment langweilig, wenn in einer glücklichen Szene auch glückliche Musik dazu komponiert wird, und bei einer dramatischen Szene dramatische Musik unterlegt wird. Für eine einzelne Szene im gesamten Film mag dieser Effekt durchaus gewünscht sein, aber im gesamten Film könnte das langweilig werden. Auf der anderen Seite: Filmmusik wird in jenem Moment spannend, wenn sie nicht durchgehend die Klischees bedient, sondern sich mit den jeweiligen Themen des Films auseinandersetzt.

Ein Beispiel:

Sie haben eine Kussszene und der Protagonist darf zum ersten Mal seine grosse Liebe küssen. Dieser Moment wird wahrscheinlich sehnlich vom Publikum erwartet. Die Filmmusik kann aber eine zweite Ebene zum Ausdruck bringen: Wird die Liebe ewig halten? Wird bereits eine unglückliche Zukunft vorausgesagt?

Durchaus kann man bei einer glücklichen Szene auch eine dramatische Note einfliessen lassen. So gewinnt der Film an zusätzlicher Emotionalität und Tiefe. Genauso funktioniert es umgekehrt: In einer dramatischen Szene, in welcher der Protagonist am Sterben ist, könnte die Filmmusik durchaus andeuten, dass er überlebt und noch Hoffnung für ihn besteht.

Ein Film kann oder will viele Fragen und Antworten des Publikums nicht augenblicklich beantworten. Aber die Filmmusik kann gewisse Fragen des Zuschauers klären. Wenn der Zuschauer wissen möchte, ob die grosse Liebe ewig halten wird, kann die Filmmusik dies mit Ja oder Nein beantworten.

Filmmusik beschreibt weiter das Thema und hilft dem Zuschauer, sich zeitlich zu orientieren. Durch die Titelmusik können wichtige Szenen, die mit der Hauptgeschichte zu tun haben, hervorgehoben oder angedeutet werden. Fragen können – wie bereits erwähnt – beantwortet werden, den Zuschauer aber auch lange im Ungewissen lassen und auf eine falsche Fährte führen.

Unser Tipp: Fragen Sie keinen Komponisten an, der nicht Ihren Geschmack trifft. Auch wenn jeder Komponist für jeden Film versucht, neue Musik zu schreiben, er sich dabei neu erfinden will, bleibt ein gewisser Stil vorhanden. Denn der Sound des Komponisten macht schliesslich seinen Wert aus.

 

Zusammenarbeit
Die Symbiose zwischen Regisseur und Komponist

Der Regisseur und der Komponist müssen eine enge partnerschaftliche Symbiose bilden. Je enger beide  zusammenarbeiten, desto besser werden (meistens) die Soundtracks. Es erfordert viel Know-how des jeweiligen Regisseurs, sich gut und konstruktiv auszudrücken und seine Vision dem Komponisten näher zu bringen.

Das ist auch umgekehrt der Fall: Oft haben Komponisten eine eigene Vision und eine persönliche Perspektive auf den Film, die neue und bisher ungeahnte Emotionen und Möglichkeiten hervorrufen. Es erfordert daher viel Vertrauen in den Komponisten, um seine Vision und Inspiration zuzulassen. Oft lohnt es sich, den Komponisten optimal zu unterstützen – ohne die ursprüngliche Vision zu verlieren. Aber auch ganz klare Visionen für Stil und Instrumente des Regisseurs können für den Komponisten sehr inspirierend sein. Sie helfen dabei, den gewünschten Soundtrack zu komponieren.

Unser Tipp: Viele Filmemacher haben sich das Filmemachen selbst beigebracht. Sie haben aber entsprechend wenig Erfahrung mit der Filmmusik. Solche Regisseure sollten dem Komponisten vertrauen, der somit sein konstruktives Feedback einfliessen lassen kann. Die meisten Komponisten führen euch in die Thematik ein. Kurz gesagt: Es ist hilfreich, vor der Produktion den Komponisten über die jeweilige Erfahrung mit der Musik aufzuklären.

Dieser Text wurde von Raphael Sommer verfasst und beruht auf seinen Erfahrungen als Filmmusikkomponist. Die genannten Tipps und Beispiele dienen als Kurzeinführung und treffen nicht für jeden Film, jede Situation oder jeden Produktionsvorgang zu. Bei weitere Fragen können Sie sich jederzeit an uns wenden.

REFERENZEN
REBORN
FILM
Der aufwändige Synthesizer-, Orchester-Hybrid-Soundtrack kombiniert neue Klänge mit einem treibenden Orchester.
CAMINO DE SANTIAGO
KINOFILM
Von eingehende Ryhtmen, gregorianische Klängen, bis zu malerischen Flöten, begleiten den Film.
BEAUMONDE
OPENAIR
Openair-Song für das fantastsische Comicspektakel Beaumonde. Hier wird geschaukelt zur Laute.